Die Box und der Igel

Es ist Frühling. Die Apfelbäume blühen und die Sonne kitzelt durch die zarten Blätter. Vier Störche sind aus den Winterquartieren im fernen Afrika zurückgekehrt und bauen an ihren Nestern. Die Kinder aus dem kleinen Dorf mitten im Spreewald düsen mit ihren Fahrrädern umher. Genauso wie die Bienen emsig von Blüte zu Blüte fliegen und Nektar sammeln.

Leo und Tom wollen eine Rennkiste bauen und hängen kopfüber im Schrottcontainer. Sie finden alte Zahnräder und Stahlrohre. Die sind prima. Aber eigentlich fehlen ihnen Räder und irgendwas Cooles. So richtig wissen die beiden nicht, wonach sie suchen. Alles könnte man gebrauchen. Sie beladen ihre Fahrräder mit den Fundstücken und bringen sie zu Leo nach Hause. Nach einer Runde Fußball zieht es die beiden wieder zum Schrottcontainer. „Nichts Neues drin.“ Stöhnt Tom. Sie düsen im Kreis vor dem Feuerwehrhaus und üben Hochstarter. Da entdeckt Tom eine kleine Box hinter der Laterne. Die Plastik-Box klebt hoch oben an der Laterne. Tom ist zu klein, um an die Box zu gelangen. Der größere Leo reicht auch nicht ganz bis ran und muss sich auf sein Rad stellen, um an die Box zu gelangen. „Mensch ist das cool.“ Wer hat die Box da versteckt? Was ist drin? „Mach auf!“ ruft Tom. In der Box liegen ein Stift, ein kleiner Block, Ansteckpins, Sammelkarten und ein Magnet, der die Box an der Laterne festhält. Fragend sehen sich die Jungen an. „Was soll das denn?“ Die Jungs können sich nicht erklären, was es mit der Box auf sich hat. Wirre Geschichten denken Sie sich aus. Sie beschließen die Box wieder an die Laterne zu hängen.

Am Abend erzählt Leo seinem Vater von der Box. Zu gerne würde er die Box behalten. Sein Vater aber ist der Meinung, die Box sollte dort bleiben, wo sie ist. „Das hat bestimmt einen Sinn, die ist für jemanden anderen. Vielleicht haben Urlauber die Box dort hinterlassen, wie bei einem Spiel, bei einer Schnitzeljagt zum Beispiel.“ Leo geht die Box nicht aus dem Kopf. Immer wieder fährt er in den kommenden Tagen zu der Laterne und sieht nach, ob die Box noch da ist.

Zwei Wochen später waren Pfingstferien. Leo und Tom fahren wieder mit ihren Fahrrädern durchs Dorf. „Die Box hängt immer noch an der Laterne!“ erzählt Tom „Die will doch bestimmt keiner mehr haben.“ Es ist schon fast dunkel als sie am Schrottcontainer ankommen. Tatsächlich, die Box hängt immer noch da. „Ich nehm´, die jetzt mit. Da kommt doch eh keiner mehr.“ ruft Leo „Den Magnet können wir gut gebrauchen.“ Leo klettert hoch und nimmt die Box an sich. Nach dem Abendbrot zeigt Leo die Box seinen Eltern. Seine Mutter ist sehr erstaunt und sein Vater betrachtet neugierig den Inhalt der Box. Es gibt keinen Hinweis auf den Besitzer. Dennoch sind sich Leos Eltern einig, dass die Box wieder zurück gebracht werden sollte. „Die gehört jemanden! Du kannst nicht immer alles mitnehmen, was du findest“ tönte seine Mutter.

Am nächsten Morgen fuhr Leos Familie einkaufen. Bevor es los ging, sollte Leo die Box zurück bringen. Mit dem Auto fuhren Sie los. Weil der Weg zum Schrottcontainer recht eng ist, fährt Leos Mutter sehr langsam am Feuerlöschteich vorbei. „Halt mal an, da schwimmt was!“ ruft Leos Vater. Alle starten in den Feuerlöschteich. „Ja, ein Igel!“ meint seine Mutter. Sofort reißen beide die Türen auf und steigen aus. Der Feuerlöschteich ist mit einer schwarzen Folie ausgelegt. Der Igel muss hineingefallen sein und kann nicht mehr heraus klettern, da die Folie zu glatt ist. Es fing an zu regnen. Leos Mama läuft zum Schrottcontainer und sucht nach etwas Langem. Der Igel treibt in der Mitte des Teiches und geht schon halb unter. Leos Vater versucht mit einem langen Ast an den Igel zu kommen. Keine Chance. Auch die Dinge aus dem Schrottcontainer sind einfach nicht lang genug. Leo und seine Schwester Ida fiebern vom Rand des Feuerlöschteiches mit. Leos Eltern sehen sich an. Was kann den Igel retten? Es geht jetzt um jede Sekunde. Schnell rennt Leos Vater zurück zum Haus und holt ein langes Rudel. Ein Rudel ist eine lange Holzstange, mit der die Fährmänner die Kähne durch den Spreewald fahren. Der Igel paddelt kaum noch. Immer wieder geht er unter und dreht sich im Wasser. Bis er einen neuen Versuch unternimmt und kurz weiter schwimmt. Mit dem Rudel kann Leos Vater zwar an den Igel ran reichen aber der Igel hat keine Kraft mehr und rollt immer wieder ins Wasser. Er geht langsam unter. Mit viel Geschick gelingt es den Igel an den Rand des Teiches zu schieben. Schnell greift Leos Vater ins Wasser und holt den Igel mit beiden Händen hoch. Die Kinder staunen. Der Igel lebt und alle atmen erleichtert auf. Unterdessen sind noch weitere Dorfbewohner zum Feuerlöschteich geeilt, um zu sehen was passiert ist. „Der Igel braucht jetzt Ruhe.“ Erklärt Leos Vater. „Wir bringen ihn ins Meerschweinchen-Gehege, dort kann er sich ausruhen.“ Nachdem sie den Igel ins Stroh gelegt haben, muss Leo die Box wieder zurückbringen.

Einen Tag, eine Nacht und noch einen Tag schläft der Igel im Meerschweinchen-Gehege. Er hat sich einen großen Haufen aus dem Stroh gebaut und sich darin versteckt. Am Abend sehen sie zusammen wieder nach dem Igel und Leos Vater meint, dass er jetzt wieder in die Freiheit entlassen werden müsse. Leo düst mit seinem Fahrrad los und trommelt alle Kinder aus dem Dorf zusammen. Leos Vater holt den Igel aus seinem Strohversteck. Er sieht recht munter aus, ist super sauber und echt groß. Die Kinder staunen und einige trauen sich, den Igel zu streicheln. Die Stacheln sind spitz. Wenn man den Igel aber von vorn streichelt, fühlt er sich ganz weich an. Gemeinsam bringen sie den Igel zur großen Obstbaumwiese. Unter einer Bank bauen die Kinder in windes Eile ein neues Nest, in das sie den Igel setzen. In der kommenden Nacht zog der Igel davon. Lebe wohl.

Einige Monate später, die Sommerferien sind fast vorbei, entdeckt Leos Mutter einen ebenso großen Igel am Katzenfutternapf. Ob das der Igel aus dem Feuerlöschteich ist? Jeden Abend kommt er nun zum Futternapf. Die Kinder geben ihm ein wenig Katzenfutter, was er schmatzend verschlingt. Er muss jetzt viel essen, um den Winter gut zu überstehen. Bald wird er sich ein Winterquartier suchen und Winterschlaf halten.

Die Box an der Laterne war eines Tages verschwunden. Irgendjemand, für den die Box bestimmt war, wird Sie mitgenommen haben.